Prügel – Gespräch:

„Big Boring" is bothering You!

Der Kunstmäzen, Politmanager, Reiseveranstalter und ehemalige Air Force Offizier und Speiseeisverkäufer Alfred Gerer, über die Zukunft des Fernsehens.

DER PRÜGEL: Herr Gerer, zunächst einmal möchten wir uns dafür bedanken daß sie sich uns, für dieses Interview zur Verfügung gestellt haben.
GERER: Keine Ursache. Wollen sie mich von vorne oder im Profil?
DER PRÜGEL: Bitte?
GERER: Na für die Fotos. Rechts ist meine Schokoladenseite. Vielleicht wollen sie...
DER PRÜGEL: Tut uns leid. Wir haben leider keinen Fotografen dabei.
GERER: Oh! Ich könnte einen kommen lassen.
DER PRÜGEL: Machen sie sich nicht die Mühe.
GERER: Wie sie meinen. Darf ich ihnen eine kleine Erfrischung anbieten.
DER PRÜGEL: Gerne. Wenn es keine Umstände macht.
GERER: Es macht keine Umstände. Ich werde ihnen ein paar zusenden lassen.
DER PRÜGEL: Bitte?
GERER: Fotos. Ich habe einige wirklich sehr gute. Vor zwanzig Jahren auf Ibiza aufgenommen. Aber ich will ja nicht eitel erscheinen.
DER PRÜGEL: Sie dürften aber seither etwas.. ähm... reifer geworden sein.
GERER: Der Unterschied ist wirklich nur äußerlich.
DER PRÜGEL: Verstehe! Aber es muß wirklich nicht sein.
GERER: Wie sie meinen.
DER PRÜGEL: Herr Gerer, wie sie kürzlich gegenüber der Bild-Zeitung erwähnt haben, soll das ursprüngliche Konzept zu der täglichen Sendung „Big Brother", die derzeit auf RTL II ausgestrahlt wird, ursprünglich auf die Ideenschmiede ihrer Firma „Reality TV" zurück gehen und von der holländischen Produktionsfirma „De Müll" gestohlen worden sein.
GERER: Das stimmt so nicht.
DER PRÜGEL: Aber gegenüber der Bild – Zeitung haben sie doch...
GERER: Ach diese Schmierfinken drehen einem doch das Wort im Munde herum. War ist das die Grundidee in meiner Firma geboren wurde. Von diesem Dauerlangweiler, welcher zur Zeit allabendlich die Nation einschläfert, möchten wir uns jedoch aufs schärfste distanzieren.
DER PRÜGEL: Verstehe.
GERER: Haben sie sich die Sendung bereits einmal angesehen?
DER PRÜGEL: Ja.
GERER: Und?
DER PRÜGEL: Nun ja, äh....
GERER: Sehen sie! Sind sie einmal um 8 Uhr Morgens in einer überfüllten S Bahn zur Arbeit gefahren. Wenn nicht, sollten sie es unbedingt einmal tun. Lauschen sie dann aufmerksam ihren Sitznachbarn. Dem Versicherungsangestellten, der seinen Gegenüber langweilt mit seiner Theorie über den kausalen Zusammenhang von zehn Jahren Ehe, Königsberger Klopsen - welche übrigens niemals so gut sein können wie die seiner Mutter- Mobing im Büro und Impotenz. So lange, bis der genervte Zuhörer aus der fahrenden Bahn springt, oder die Umsitzenden den Quälgeist lynchen.
DER PRÜGEL: Ich glaube ich verstehe was sie meinen.
GERER: Oder haben sie einmal aufmerksam den Gesprächen gefolgt, welche in kreischendem Tonfall ausgefochten werden, wenn der Seniorenclub sich auf seinem Jährlichen Ausflug zum Internisten befindet? Sie sollten besser nicht gefrühstückt haben, wenn sie sich die Geschichten von Magengeschwüren, Gallenblasenoperationen, Hautkrankheiten, Fußpilz, Eiterbeulen und sonstigen Geschwüren anhören müssen, mit denen sich die alten Damen gegenseitig zu übertrumpfen versuchen.
DER PRÜGEL: Aus diesem Grunde habe ich das Bahnfahren aufgegeben.
GERER: Sehen sie. Jeder hat derartige Erlebnisse. Und dennoch, wenn das selbe dünne Gelabere in einer Kontainerburg erbrochen wird, aufmerksam verfolgt von ein paar Dutzend Kameras, steht eine Nation Kopf.
DER PRÜGEL: Aber die Einschaltquoten sinken unaufhaltsam gegen Null.
GERER: Sehr Richtig. Und warum?.
DER PRÜGEL: Nun ja, vielleicht ist die Masse an Zuschauern doch kritischer als bislang angenommen..
GERER: Paperlapapp! Dann wären Sendungen wie Dr.Steffan Frank, Brisant, Die Hitparade der Volksmusik, Taff und unzählige andere, längst aus dem Programm verschwunden. Tatsache ist, was Big Brother fehlt, ist schlicht und ergreifend, jeglicher Anflug von Unterhaltung. Und genau da setzt Reality TV völlig neue Akzente. Unser Konzept beginnt genau da, wo De Müll endet.
DER PRÜGEL: Stichwort „Freitag der 13." ?.
GERER: Ich sehe sie haben sich informiert. Aber das Konzept von „Freitag der 13." ist natürlich nur eines von vielen. In der Tat, war es eine der Grundideen, einen psychopathischen Kettensägenmörder ins Haus zu bringen. Hier zeigt sich übrigens der ursprüngliche Gedanke der Wochenaufgabe. Sobald unser Mann das Haus betreten hätte, sollte es die Aufgabe der Bewohner sein, eine Woche lang ohne Schlaf auszukommen und so lange zu Überleben, bis unserem Amokläufer der Sprit ausgehen würde. Die Belohnung, für die gelöste Wochenaufgabe wäre ein Videorekorder mit sämtliche Teilen von Freitag der 13 und Halloween. Schließlich haben sie sich, nach einer langen und aufregenden Woche etwas Entspannung verdient. Und die Belohnung sollte möglichst immer auf die vorangegangene Aufgabe zugeschnitten sein.
DER PRÜGEL: Eine großartige Idee..
GERER: Nicht wahr? Wegweisend für die Zukunft des Fernsehen. Ein anderes Konzept war, einen Heroinsüchtigen mit aufzunehmen. Die Wochenaufgabe der Bewohner hätte gelautet: Sperrt den Junkie im Klo ein, fesselt ihn auf die Schüssel und setzt ihn auf Kalten Entzug. Die Einschaltquoten wären enorm gewesen, das gesunde Stammtischbewußtsein zufriedengestellt und die soziale Komponente hätte selbst die schärfsten Kritiker zum Schweigen gebracht, welche das Konzept stets als menschenverachtend anprangerten. Stichwort: „Keine Macht den Drogen!". Wer hätte es da noch gewagt gegen uns zu Felde zu ziehen. Als Belohnung für die bestandene Wochenaufgabe hätten die Bewohner von uns genügend Extasy für eine rauschende Partienacht erhalten. Einer unserer Sponsoren , Kalle Kiez aus Hamburg hätte ein paar seiner weiblichen Angestellten zu Verfügung gestellt um für das... ähm... fleischliche Wohl zu sorgen.
DER PRÜGEL: Dies erinnert doch etwas an „Versaute Kamera!".
GERER: Erinnern sie mich bloß nicht daran. Obwohl ich heute noch zugeben muß, daß das Konzept im Grunde nicht schlecht war. Wir haben damals – übrigens auch in Zusammenarbeit mit Kalle Kiez – an eine Menge hochgestellter Politiker unter einem Vorwand Einladungen verschickt. Kaum ein großer Staatsmann, den wir nicht mit runter gelassenen Hosen vor das Objektiv bekommen hätten. Die Serie wurde dann doch gekippt, als es zu dem einen oder andern Zwischenfall kam. Eines unserer Opfer – ein nicht weiter genannter bedeutender Politiker aus Bayern erlag einem Herzanfall als er während eines, offiziell als Jagdausflug deklarierten Treffen im Wald und auf der Heidi nach dem fröhlichen Hallalli – Blasen die Kamera entdeckte. Die Sache wurde hinterher vertuscht Ein anderer anderer wiederum, drehte in einem schweizer Hotelzimmer, nach fröhlichen Wannenspielchen durch, obwohl er doch ein Ehrenwort auf strengste Verschwiegenheit erhalten hatte.
DER PRÜGEL: Aber die Einschaltquoten wären in die wahrscheinlich in ungeahnte Höhen geschossen.
GERER: Bestimmt. Darum möchte ich mir die Zusammenarbeit mit Kalle auch gerne für weiter Produktionen erhalten. Wissen sie, in unserer Branche gibt es hierfür eine feste Formel: Gewalt mal Titte hoch 2 ist gleich Quote.
DER PRÜGEL: Genial.
GERER: Nicht wahr? Die Formel gilt natürlich nicht für die Vereinigten Staaten. Alleine die Andeutung weiblicher Haut, würde im US Fernsehen das aus auf dem Amerikanischen Fernsehmarkt bedeuten, für jede Produktionsfirma, die es wagen sollte im prüden Amerika auch nur einen nackten Hintern zu zeigen. No Smoking – No Titts! Dies ist eine feste Regel im US TV. Dafür kennt die Szene dort auf dem Sektor Gewalt keine Grenzen. Wenn sie etwas mehr von einer Frau zeigen wollen auf dem Bildschirm, dann sollte es schon unter die Haut gehen. Heraus quellende Organe aus einer klaffenden Wunde in der Brust– Kein Problem. Ein Stückchen Haut darüber und es ist aus.
In den USA haben wir allerdings einen Ableger von BIG BROTHER geplant, der voll und ganz auf unsere amerikanischen Zuschauer zugeschnitten ist. Wir haben uns Alcatraz gekauft und renoviert. Ein Bewohnerteam aus 10 rechtskräftig Verurteilten Mördern, wird dort unter Aufsicht von nicht weniger als 100 Kameras, ebenso viele Tage verbringen. Alle zwei Wochen nominieren die Insassen zwei Mann aus ihren Reihen. Das Publikum entscheidet schließlich per Telefonabstimmung wer auf dem Elektrischen Stuhl landen soll. Dies wird alle zwei Wochen in einem Special am Sonntag , dem Gesunden Drang nach Unterhaltung und Recht unserer lieben Freunde in Übersee Rechnung tragen.
DER PRÜGEL: Ist eine Adaption für den europäischen Markt geplant?
GERER: Vorerst nicht. Das europäische, speziell das deutsche Publikum zeigt sich hier etwas kritischer, ist also nicht so leicht zufrieden zu stellen wie das amerikanische. Hierzulande muß sogar Gewalt einen intellektuellen Anstrich aufweisen können. Nein, wir planen für den Heimischen Markt etwas ganz anderes. Wir werden versuchen, dem in jedem Deutschen schlummernden Traum vom weißen Kittel Rechnung zu tragen. Eine Verquickung der allseits beliebten Ärzteserien, Gameshows und Reality TV. „Big Doctor" Das Konzept baut auf dem von Big Brother auf. Wir versammeln einen Haufen Durchschnittsbürger, locken sie mit einer Menge Geld und sperren sie wie gehabt, abgeschirmt von der Außenwelt in eine Kontainerburg. Sie alle werden aus Herzpatienten, Krebskranken, Akuten Blinddarmdurchbrüchen und sonstigen Behandlungsbedürftigen bestehen. Zu Beginn jeder neuen Woche, bekommen als dann unsere frisch gebackenen Ärzte ehrenhalber, ein Handbuch über die entsprechende Krankheit, des jeweiligen , zuvor nominierten und vom Publikum ausgewählten Patienten. Sie werden daraufhin eine Woche Zeit haben, sich das nötige Wissen anzueignen. Bei der, für Sonntags angelegten Operation, am offenen Herzen, der Gallenblase, der Leber, der Hoden, oder was auch immer wird sich zeigen, ob sie ihre Belohnung in Form dringend Benötigter Medikamente, wie Insulin, Herztabletten und ähnliches verdient haben – oder sich eben in der darauf folgenden Woche etwas mehr anstrengen müssen.
DER PRÜGEL: Dies klingt alles sehr verheißungsvoll. Eine Frage noch zum Schluß: Wie sehen sie die Zukunft des Fernsehens? Wird der Trend zu Reality Shows anhalten, oder handelt es sich hier nr um eine vorübergehende Zeiterscheinung?
GERER: Unbedingt wird er anhalten. Sich sogar noch verstärken. Wir haben bereits Verhandlungen mit der Russischen Regierung aufgenommen, dahingehend, unter Begleitung eines neutralen Kamerateams zwei Gruppen von Kandidaten nach Tschetschenien zu schicken. Die Gruppen werden auf jeweils unterschiedlichen Seiten kämpfen. Das Hautnahe Leben eben. Echte Gefahr für echte Spannung
DER PRÜGEL: Also das Prinzip von Robinson.
GERER: Nicht ganz. Robinson setzt ja das Aussetzen zweier Teams auf einer einsamen Insel voraus. Auch hier hat sich De Müll als völliger Dilettant erwiesen. Auch wir planen eine Robinsonadaption. Wir haben mit der Französischen Regierung bereits Kontakt aufgenommen, betreffs eines gewissen Atolls in der Südsee. Mehr kann ich momentan leider noch nicht verraten. Nur so viel: die Kandidaten werden einer strahlenden Zukunft entgegen sehen.
DER PRÜGEL: .Herr Gerer, wir danken ihnen für dieses Gespräch.


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